
Essentielle Fragen
Mein Sohn war noch im Kindergarten, als innerhalb eines Jahres drei unserer guten Bekannten verstarben. Wir nahmen ihn nicht mit zu den Beerdigungen, doch er bekam alles mit. Nachts wachte er weinend und schreiend auf: Ob auch ich sterben würde? Ob er selbst irgendwann sterben müsse? Ich überlegte, ob wir professionelle Hilfe bräuchten. Einige Tage später kam er zu mir und hatte nur noch eine Frage: „Mama, wenn du stirbst, bist du dann immer noch meine Mutter?“ Erleichtert antwortete ich ohne Zögern: „Ja. Das bleibt – egal, was passiert.“ Er ging zufrieden weg. Ab diesem Tag hatte er keinen einzigen Albtraum mehr.
Diese Frage eines kleinen Kindes machte mich nachdenklich. Was ist wichtig? Was zählt wirklich? Was brauchen wir am Ende?
In einer Musiktherapie-Stunde beginnen wir oft mit mehreren Liedern und Klängen. Dann lasse ich nach und nach immer mehr Töne weg. Am Ende bleiben nur einige essentielle Klänge – solche, die wir Menschen alle gemeinsam haben und intuitiv verstehen, egal woher wir kommen.


„Ein ganz besonderes, persönliches Geschenk!“
(Zitat einer Patientin zu SOL)

Song of Life (SOL) ist eine biografisch orientierte Musiktherapie. Ein bedeutsames Lied aus dem Leben der Patientinnen wird zunächst auf eine behutsame und sanfte Weise umgewandelt. Danach wird das bearbeitete Lied vorgespielt, aufgenommen und reflektiert.
Die musikalische und atmosphärische Anpassung des Liedes bietet eine weitere Möglichkeit, in mit nur einem Lied die aktuellen Emotionen und die wesentlichen (Lebens)themen der Patientinnen zu berühren.
Die Wirksamkeit dieser Musiktherapie wurde in der SOL-Studie (Studienleitung Prof. Dr. Marco Warth, 2018-2020) erfolgreich erforscht. Sung-Eun Lee (DMtG-zert.) führte die Musiktherapie im Rahmen der SOL-Studie auf der Palliativstation der Mainzer Universitätsmedizin durch. Sie wird in der DMtG-Fortbildung ihre Erfahrungen aus der Studie und ihrer Praxis vermitteln, wie sie einen Weg hin zur personalisierten Musiktherapie fand. Elka Aurora (DMtG-zert. Lehrmusiktherapeutin) und Eva-Maria Holzinger (DMtG-zert.) wirken mit.

Klänge lösen Emotionen aus, dienen zur Entspannung und wirken aber auch kommunikativ. Außerdem kann man durch „Experimente“ mit Klängen eigene Ressourcen finden bzw. aktivieren.
Nicht nur aktives Musizieren, sondern auch Zuhören, Sprechen oder Atmen gehört zur Musik.
Daher sind wir alle „musikalisch“. Es gibt kein „Richtig“ oder „Falsch“ in der Musiktherapiestunde.
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