„Song of Life (SOL)-Weg in die Praxis“

In der SOL „Song of Life”-Studie (Studienleitung Prof. Dr. Marco Warth, 2018-2020) wurde die Wirksamkeit einer neu entwickelten, biografisch orientierten Musiktherapie für Patient:innen auf der Palliativstation erforscht. Diese Studie wurde parallel an zwei Einrichtungen durchgeführt: in der Mainzer Universitätsmedizin und im Krankenhaus St. Vincentius in Heidelberg. Verantwortlich waren die beiden Musiktherapeutinnen Sung-Eun Lee und Gisela Platzbecker.
In der Studie wurde ein bedeutsames Lied aus dem Leben der Patient:innen in einer in den Wiegenliedcharakter umgewandelten Form vorgespielt, aufgenommen und reflektiert. Die Lieder hatten für die Patient:innen eine persönliche Bedeutung oder spiegelten ihre aktuellen Emotionen bzw. (Lebens)themen wider. Die Therapeutin verlangsamte das Lied, passte es atmosphärisch an, wandelte es bestimmend auf eine behutsame und sanfte Weise um. Daher stammt der Begriff „Wiegenlied“. Die Studie wurde erfolgreich abgeschlossen und hochrangig publiziert.
Als nächsten Schritt für die breite Verankerung der Methode in der Praxis fand der Pilotworkshop „Song of Life (SOL) – Weg in die Praxis“ am 26.-27. Januar 2024 im Zwerg Nase Zentrum in Wiesbaden statt. Die Organisation und Finanzierung ermöglichte die gemeinnützige Morgott-Schupp Stiftung „Sonnenblau“, die auch die SOL-Studie mitfinanzierte.
Teilnehmende des Workshops waren die Musiktherapeutinnen Elka Aurora (Vorstand DMtG), Uta Jordan (Westküstenklinikum Heide) und Eva-Maria Holzinger (Sprecherin der Sektion für künstlerische Therapien in der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin). Von der Stiftung „Sonnenblau“ waren der Gründer der Stiftung Christian Schupp und der Vorstand Dr. Bernd Nagel dabei.
Leiterin der Workshops Sung-Eun Lee präsentierte ihre Erfahrungen aus der Studie und Praxis und vermittelte anschaulich, wie sie einen Weg hin zur personalisierten Musiktherapie fand. Sie leitete praktische Sequenzen an, damit die Teilnehmenden eigene Erlebnisse sammeln konnten und stellte schließlich die Ergebnisse und Erfahrungswerte zur Diskussion. Erörtert wurde besonders die mögliche „Verfremdungsgefahr“ durch die Modifizierung des Liedes. Dass mit nur einem Lied wesentliche (Lebens)themen berührt werden konnten, war eine wichtige Erkenntnis des Workshops. Die Teilnehmenden erlebten, dass die Methode für Musiktherapeut:innen im palliativen Kontext ein effektives und machbares musiktherapeutisches Mittel sein kann. Nicht zuletzt wurde festgestellt, dass die musikalische Anpassung des Liedes ein weites Feld an Möglichkeiten bietet. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass es sich empfiehlt, SOL selbst zu erfahren und anwenden zu lernen. Hierfür ist eine praxisnahe Fortbildung mit vielfältigen praktischen Übungen sinnvoll.
Am 12. April 2024 wird das Projekt „Song of Life (SOL) – Weg in die Praxis“ im Rahmen des Jour-fixe vorgestellt. Danach wird eine Fortbildung zur Überführung der Ergebnisse von der SOL-Studie in die Praxis voraussichtlich im Herbst 2024 starten. Die Stiftung „Sonnenblau“ wird an der weiteren Fortbildung aktiv mitwirken.
Sung-Eun Lee
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